Troja: Was dort wirklich steht und warum es zählt
Seien wir zu Beginn ehrlich, denn fast kein Text über Troja ist es. Wer Mauern, Türme und eine erkennbare antike Stadt erwartet, wird enttäuscht. Da ist ein flacher Hügel aus Grabungsschnitten, Fundamenten und Mauerstücken von neun verschiedenen Städten, die über dreitausend Jahre übereinander errichtet wurden.
Und genau das ist, wenn man es verstanden hat, weit interessanter als das Erwartete.
Neun Städte, ein Hügel
Seit etwa 3000 v. Chr. siedeln Menschen auf diesem Hügel. Jedes Mal, wenn die Stadt zerstört wurde, durch Krieg, Feuer oder Erdbeben, baute man die nächste auf den Trümmern. Archäologen nummerieren die Schichten von Troja I bis Troja IX, von der frühen Bronzezeit bis in die römische Zeit.
Wer auf die Grabung blickt, sieht also nicht eine Stadt. Er sieht einen Querschnitt durch drei Jahrtausende, in dem bronzezeitlicher Stein wenige Meter neben römischem Ziegel liegt.
Welche Schicht ist Homers Troja? Die üblichen Kandidaten sind Troja VI und Troja VIIa, und die Zerstörung von Troja VIIa um 1180 v. Chr. passt am besten zum überlieferten Datum des Krieges. Ob es diesen Krieg überhaupt gab und ob Homer ihn beschrieb oder vierhundert Jahre später erfand, wird weiterhin diskutiert. Diese Debatte gehört zum Reiz.
Was Schliemann tat
Heinrich Schliemann, ein wohlhabender deutscher Kaufmann, der die Ilias für buchstäblich wahr hielt, begann hier in den 1870er-Jahren zu graben. Er fand die Stätte. Er trieb aber auch einen gewaltigen Schnitt mitten durch den Hügel nach unten und zerstörte dabei weite Teile jener Schicht, die vermutlich Homers Troja war, um an die älteren darunter zu gelangen, weil er annahm, die berühmte Stadt müsse ganz unten liegen.
Zudem fand er einen Goldschatz, den er als Schatz des Priamos verkündete, der aus einer rund tausend Jahre zu frühen Schicht stammte, und schaffte ihn außer Landes. Das meiste gelangte nach Berlin, wurde 1945 in die Sowjetunion gebracht und befindet sich heute in Moskau.
Der Schnitt ist noch sichtbar. Er zählt zu den folgenreichsten Zerstörungen der Fachgeschichte, und darin zu stehen ist tatsächlich eigenartig.
Das Museum ist die Hauptsache
Das Troja-Museum, 2018 im Dorf Tevfikiye direkt neben der Grabung eröffnet, ist ein rostfarbener Stahlkubus, der unter die Erde führt, und es ist eines der besten Museen der Türkei.
Es leistet, was die Ruinen nicht können: Es erklärt die Schichten, zeigt die Funde und verfolgt, wie der Troja-Stoff durch griechische, römische, mittelalterliche und moderne Kultur wanderte. Gehen Sie zuerst hierher und dann über das Gelände. In der anderen Reihenfolge sagen die Ruinen sehr wenig.
Die Pferde
Es gibt zwei hölzerne Pferde, und keines ist antik. Am Eingang der Grabung steht ein begehbarer Nachbau aus den 1970er-Jahren. Das Pferd aus dem Film von 2004 steht an der Uferpromenade von Çanakkale, gestiftet von der Produktion.
Beide machen Spaß, beide werden ständig fotografiert, und beide haben mit Archäologie nichts zu tun. Das ist in Ordnung. Wissen Sie nur, wovor Sie posieren.
Der Besuch
| Lage | Bei Tevfikiye, etwa 30 km südwestlich von Çanakkale |
|---|---|
| Anfahrt | Dolmuş vom Busbahnhof Çanakkale oder Taxi. Von der Gallipoli-Seite zuerst mit der Fähre ab Eceabat über die Dardanellen. |
| Zeitbedarf | Etwa eine Stunde auf dem Gelände, 90 Minuten im Museum |
| Gelände | Unebene Wege und einige Stufen, Sonne und Wind ausgesetzt. Im Sommer Hut und Wasser. |
| Guide | Hier wertvoller als an fast jeder anderen Stätte der Türkei |
Ein Guide ist in Troja kein Luxus. Ohne ihn sehen neun Schichten Fundamente wie ein Steinbruch aus. Mit ihm erkennen Sie, wo die bronzezeitliche Mauer auf das römische Theater trifft, und verstehen, warum das zählt.
In eine Reise einbauen
Troja wird fast immer mit Gallipoli verbunden, eine Stunde entfernt auf der anderen Seite der Meerenge, und die beiden passen natürlich zusammen: die älteste Kriegserzählung der europäischen Literatur und eine der folgenreichsten Schlachten des zwanzigsten Jahrhunderts, in Sichtweite desselben Wassers. Unsere Marmara-Tour verbindet beides mit dem Rest der Region.
Wer wissen will, wie unterschiedlich antike Stätten in der Türkei das Gezeigte handhaben, findet im Vergleich mit Zeugma ein gutes Beispiel: Dort sind die Funde überwältigend und die Stätte liegt unter Wasser. Hier ist die Stätte alles, und die Funde verschwanden vor einem Jahrhundert.
Fahren Sie wegen der Idee hin, nicht wegen der Steine. Dass Menschen dreitausend Jahre lang entschieden, genau diesen Hügel wieder zu bebauen, ist eine bessere Geschichte, als jede Mauer sie erzählen könnte.
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